Yamaha RD 50 M, Baujahr 1979

Aller Anfang ist ….Quatsch!

Herrje,

Jeder kennt doch das alte Sprichwort, von wegen: „Aller Anfang ist schwer“. Oder gar…wenn man es denn mit der fernöstlichen Tradition halten möchte: „Jede Reise, beginnt mit einem ersten Schritt.“ Lao Tse oder war das Tolkien und es stammt aus dem Hobbit? Egal, die Werke der beiden Autoren ähneln sich eh und die Message ist jedenfalls die Gleiche: Es fällt einem im Allgemeinen (und vielen auch im Speziellen) besonders schwer, den Arsch in Eigeninitiative hoch zu bekommen. Und was soll ich Euch erzählen? Ich bin da nicht viel anders. Zumindest, wenn man meine Mutter fragt und sie wehmütig an meine Pubertät zurückdenkt.

Seltsamerweise – oder auch gar nicht seltsamerweise – geht mir das bei meinen diversen Mopped-Projekten nicht so! Die RD im Gepäck, wir haben Sie liegend im Anhänger transportiert, da man an der eh nichts mehr kaputt machen konnte – (das erste Motorrad, dass jemals so respektlos von mir verladen wurde), kommen wir zu hause an und im Geiste lade ich das Teil schon aus dem Hänger und stelle es auf die Bühne, auf das der fein-bläuliche Zweitaktdunst meine Scheune und letztlich auch meine Nachbarn erfreut und entzückt.

Allerdings, und das darf man auf keinen Fall verschweigen oder gar kleinreden, gibt es bei jeder Restauration oder jedem neuen Projekt immer wieder zwei Hürden zu nehmen – zumindest wenn man verheiratet oder liiert ist und die Holde das Hobby des Liebsten nicht voll und ganz mitlebt: Die Argusaugen der Frauen! Kaum sind wir in den Hof eingebogen und haben die Handbremse des Fahrzeugs angezogen, schon kommen die Damen der Häuser aus den Türen wie Wiesel herausgeschossen und wuseln ameisengleich um Anhänger und Auto. Ich steige aus und werde mit vor allem skeptischen Blicken empfangen. Noch bestehen vollkommen unberechtigte Zweifel daran, dass wir diesen totalen Schrotthaufen käuflich erworben haben. Aber da täuschen sich die Mädels. Ich bin wie einer dieser unsäglichen Fliegenfänger, die von der Decke hängen und die nach Tod stinken. Einmal mit in Berührung gekommen, so gibt es kein zurück mehr….wenn ich einmal Witterung aufgenommen habe und ein Mopped begutachtet habe, so gibt es keine andere Möglichkeit mehr, als dass das Dingen sich am Ende in unserem Anhänger befindet. Koste es, was es wolle (vor allem meistens meine Würde :-)).

Beim Ausladen kommt dann also der Augenblick der Wahrheit. Unsere Frauen begutachten die neu erstandene Tochter des Hauses, beschnuppern sie und befinden sie für….Scheisse auf zwei Rädern (womit sie nun leider nicht so unrecht haben). Was nun? Ich beruhige alle mit der Erinnerung an meine allererste RD, die bei der Abholung auch nicht soo viel Besser aussah, ausser dem Umstand, dass es sich damals um eine RD in Kartons handelte. Aber diese 50er stieg auch wie der Phoenix aus der Asche auf und ihr 16-jähriger neuer Besitzer freute sich bei der Probefahrt einen Ast ab. Nachdem also die offizielle Begutachtung durch die Verantwortlichen abgeschlossen war, konnte ich das kleine Mopped in meinen Hof, genauer gesagt in die Scheune und auf die Hebebühne fahren. Und dann kommt mein Augenblick der Wahrheit. Wenn ich das erste Mal an einem Mopped den 10er Ringmaul ansetze und eine Schraube löse, dann zeigt sich irgendwie, ob wir beide miteinander können oder auch nicht.

Am Anfang einer Komplett-Restauration gibt es für mich genau zwei Fallstricke, in die ich gerne mal tappe. Ich bin so heiß, dass ich vergesse Fotos zu machen, einen Plan zu entwerfen, alle fehlenden Teile zu notieren, usw. Dann will ich nur schrauben, schrauben, schrauben. Die neue Technik in mich aufsaugen und verschlingen, verbessern und verschönern. Dann vergesse ich die Zeit, den Ort,die Nachbarn, Essen und Schlafen (das Trinken vergesse ich nicht, wär ja auch noch schöner!). Der Anfang, so empfinde ich das zumindest, ist nie das Problem. Es geht um das Dranbleiben oder, um die Wort von John Irving zu nutzen,: „Du musst besessen sein und besessen bleiben. (Englisch: You’ve got to get obsessed and stay obsessed.)!“ Ja, darum geht es. Soviel steht fest.

Und wie gesagt, es gibt für mich immer zwei extrem große Fallstricke, am Anfang einer Restauration. Der eine ist sich in den Details zu verlieren und das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Der andere Fallstrick, der mich auch schon eiskalt erwischt hat: einfach aufhören, wenn das Chaos ausgebrochen ist. Dann gibt es sogenannte „abgebrochene Restaurierungen“. Ist mir selbst auch schon passiert. Und dann bedingt eins auch noch schnell das andere: man verliert das eigentliche Ziel, das fertige Restaurations-Objekt aus den Augen, man sieht das Chaos, die tausend Teile um die man sich kümmern musste, weiß schon gar nicht mehr, wo, geschweige denn mit was man anfangen sollte. Ich selbst greife dann gerne zur Waffe der Verdrängung und stopfe mein begonnenes Projekt in Kisten und verlade diese auf den Dachboden meiner Scheune. Aber ganz ehrlich: wer hat schon Lust auf 10 Kisten ein komplettes Mopped wieder aufzubauen? Ich nicht.

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